Miss Mosquita (Teil 1)

Die Klasse A Prüfung ist bestanden, nun ist es eigentlich an der Zeit, sich mit dem Selbstbau eines Transceivers zu befassen. Nicht, dass ich mit meinem FT-817 unzufrieden wäre, aber irgendwie reizt mich die Vorstellung, ein selbst gebautes Gerät zu besitzen.

Erste Marktrecherchen (insbesondere als QRP Fan) führen natürlich sofort auf die Seite von QRP-Project in Berlin. Eine solche Entscheidung entsteht natürlich nicht spontan, sondern reift über einen längeren Zeitraum. Die Anforderungen waren: 

  • Einfach aufzubauen, gerne auch als reiner CW Transceiver
  • Bewährter Aufbau mit dokumentierter Historie
  • Gute Dokumentation und Support
  • Kostengünstig, um die € 100 (ist mein erstes Projekt, man möchte das Risiko minimieren)

Vergleichen der Beschreibungen … lesen von Berichten … intensive Lektüre des QRP-Reports … nach und nach kristallisiert sich der (die?) Miss Mosquita als sinnvoller Einstieg heraus. Irgendwann kam dann der Punkt, an dem man kurzerhand die Bestellung rausschickt.

Zwei Tage später (gestern Morgen) kam dann der Bausatz per Post an (vielen Dank nochmal für die schnelle Bearbeitung) … der Urlaub ist gerettet! Die erste Zeit wird natürlich genutzt, um sich mit dem Bausatz vertraut zu machen. Oh Schreck, doch aufwendiger als gedacht. Aber wie mit vielen Dingen hilft auch hier die mentale Vorbereitung.

Das erste Problem: Mein Arbeitsplatz ist nicht ESD-sicher. Also auf zu Conrad … und ohne Erfolg wieder zurück. Irgendwie wird das Sortiment immer dürftiger, ich werde wohl in Zukunft lieber direkt bei Reichelt bestellen. Was nun? Behelfslösung mit Kroko-Klemmen-Kableln und 1 MΩ Widerständen wird behelfsmäßig ein Potenzialausgleich zwischen Lötstation, Körper und Platine hergestellt. Muss erstmal reichen.

Dann beginnt das mühevolle Sortieren der Bauteile. Wie gut, dass ich mir ein LC-Meter zugelegt habe. Vereinfacht das Leben extrem, insbesondere, wenn man keine Lust hat, die kryptischen Bezeichnungen im Mikrofilm-Format zu entziffern.

Der Bausatz ist vollständig, und das Sortieren der Bauteile verringert die Distanz zu der vor mir liegenden Aufgabe. Hier nochmal ein Lob an das Team rund um Peter, DL2FI, für die optimale Gestaltung der Dokumentation. Jede Menge Beschreibungen und Checklisten, deren aktive Benutzung nur jedem angeraten werden kann.

Also, jetzt sind wir schon mal dabei, also frisch ans Werk und die erste Baugruppe in Angriff genommen. Ein paar Elkos, ein paar Spannungsregler, nach kurzer Zeit steht die Stromversorgung für den Transceiver. Probleme gab‘s nur mit dem von mir erstmalig verwendeten 0,5 mm Lot in Verbindung mit einer dünneren Lötspitze — angesichts der feinen Strukturen auf der Leiterplatte schien mir die Benutzung angeraten. Bisher habe ich immer mit einer breiteren Meißelspitze und 1 mm Lot gearbeitet. Verhält sich schon anders. Die Temperatur der Lötstation wurde, der Empfehlung von QRP-Project folgend, auf 370°C eingestellt, was sich bei der dünnen Spitze als immer noch zu gering herausstellte. Bei 390°C lief es dann ganz ordentlich. Auch die korrekte Zumessung des Lotes lief nach einer Weile, so dass reproduzierbar gute Ergebnisse entstehen.

Also, erste Baugruppe fertig, Sichtprüfung in Ordnung (Verwendung einer Lupe dringend angeraten), laut Ohm-Meter kein Kurzschluss, Strom anschließen, Rauchprobe auch o.k. (was hab ich neulich mal gelesen: Elektronische Bauteile enthalten kleine Mengen von buntem Zauberrauch … wenn man den entweichen lässt, funktionieren sie nicht mehr), und abschließend noch die Spannungen messen: Alles in Ordnung! So soll es sein, erstes Erfolgserlebnis!

Obwohl ich hier eigentlich für den heutigen Tag Feierabend machen wollte, habe ich dann doch noch die zweite Baugruppe begonnen. Dieses Mal eine erheblich umfangreichere Anzahl an Bauteilen. Immer ordentlich der Dokumentation folgen, jeden Schritt ordentlich abhaken (sind immer extra Kästchen in der Doku vorhanden, es ist sofort ersichtlich, wenn man etwas vergisst), dann verliert man auch nicht die Übersicht. Auch die zweite Baugruppe, der NF-Verstärker, ist bald fertig gestellt und zum Test bereit. Die üblichen ersten Tests (Sicht, Kurzschluss, Geruch), Spannung am Verstärker liegt an, Ohrhörer anschließen … da rauscht doch was? Brummprobe — o.k., noch mal ein NF-Signal einspeisen — da ist der Ton und er wird verstärkt! Allerbest! Damit habe ich für heute einen Stand erreicht, der mich motiviert, morgen die nächsten Schritte anzugehen.

Bis dahin,

vy 73 de Jens, DJ2UM

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